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Schlaf mein Baby, schlafe ein

Schlaf gelingt. Wie der Apfelstrudel von der Oma. Man kann das selbe Rezept nachkochen, und doch schmeckt er anders. Das kann man nicht lernen. Es passiert einfach. Und je mehr man versucht es zu erreichen, desto weniger gelingt es. Und so ist es auch mit dem Schlaf. Sanft entschlummern unsere Babys, wenn sie müde sind und die Bedingungen passen. Es gibt so viele Wege zum Ziel und zugleich so wenige, denn Schlaf kann man nicht erzwingen.  Anbei ein paar Anregungen was den Schlaf für, und mit Babys erleichtern könnte. 


Des Babys Schlaf ist unser Himmelreich


Ach herrje, warum schlafen Babys nachts denn nicht, wenn wir Eltern dadurch den Tag so schwer meistern können? Was hat sich die Natur dabei wohl gedacht? Warum verwenden diese kleinen Menschlein so viel Energie um uns nachts zu wecken, das muss doch einen Sinn haben, denn Energie verschwenden wir nur dann, wenn es sich auszahlt.  Zunächst ein wenig Theorie über mögliche Gründe:


Nächtliches auftanken - wenn Mama nichts zu tun hat


Dass das Verhalten unserer Babys nicht immer in unser Leben  passt, hat damit zu tun, dass wir tiefe Wurzeln haben, die noch von alten Zeiten berichten. Nachts waren sich Mutter und Kind stets besonders nahe. Es gab die Möglichkeit, Nahrung aufzunehmen, über das Stillen, ohne gestört zu werden. Und genau betrachtet ist das auch heute noch so. Keine Halligalli rundherum. Nur Mama, Nahrung und Baby, wenig Energieverbrauch. Sehr effizient. Außerdem: Ist Mama in der Nähe, zahlt es sich immer aus, um MEHR zu verlangen. Mama richt gut, Mama bring Nahrung, Kuschelwärme, Geborgenheit – sie ist alles, was man zu (über)leben braucht und daher liegt es uns in den Genen, bei Mama besonders um Hilfe zu bitten.

 

Besonders vor Entwicklungssprüngen, so berichten es ganz viele Klientinnen, wachen Babys und Kleinkinder, die schon mal so richtig gut geschlafen haben, nachts wieder häufiger auf. Das kann ein Zahn sein, die Zeit vor dem Krabbeln, die Zeit vor dem Hochziehen und Vieles mehr. Es ist so viel neu, es wird so viel zum ersten Mal erlebt und das verbraucht tagsüber Energie und Kraft, zudem braucht Wachstum Substanz und Energie:  „Mein Kind wacht derzeit stündlich auf und will trinken, dabei nuggelt es ja nur ein bisschen“, wird ganz häufig erzählt. Oft beginnt dieser Marathon so zwischen 1 und 2 Uhr. Aber auch hier gibt es Kinder, die schon früher viel trinken wollen. „Ist denn die Windel morgens voll“? „Ja“, kommt dann meist zur Antwort. „Dann wird Dein Kind die Milch nachts brauchen“, ist dann meine. Auch wenn das frustrierend klingt, Sinn macht es dennoch. Essen und Schlaf sind wichtig um die Substanz aufzufüllen und das steht in diesem Alter vor der Notwendigkeit einen Tag – Nacht – Rhythmus zu nutzen. Soviel zu den Stillkindern. Aber bei den Flascherltrinkern ist das nicht zwingend anders.

 

Ein Grund also für nächtliches Aufwachen: Krafttanken. 

 

Was kann ich tun: 

 

Familienbett oder so nah als möglich: Gerade in der Stillzeit, aber auch mit Flascherln ist es sehr angenehm, so nah als möglich beim Baby zu schlafen. Oft ist es nur ein Hinüberdrehen, um die Nahrungsquelle zu reichen. Zudem kann das Kind davon profitieren, den Schlafrhythmus und das Einschlafen der Mama zu spüren, und somit von uns lernen.


Schlaf kommt von selbst, aber nicht allein


Schlafen können unsere Babys von selbst. Müdigkeit ist ein Bedürfnis, das sich der Körper holt. Aber sie können es nicht allein. Denn auch hier sind es unsere Wurzeln, die sich melden. Ein Kind einsam? Völlig schutzlos! Das ist nicht vorgesehen! Auch wenn wir mittlerweile in geheizten, wohligen Räumen leben, in geschlossenen Häusern mit Alarmanlage und Gartenzaun. Diese neue Lebensweise, mit mehr Sicherheitsfaktor, hat das Menschenkind noch nicht verinnerlicht. Zudem kommt hinzu:  kleine Menschenwesen sind in ALLEM was sie tun wollen von uns abhängig. Mama bleibt da! Und das ist auch ganz oft die Botschaft. Neben dem Thema des Trinkens erzählen viele Mütter: „Kaum stehe ich auf, geht das Gebrüll los.“

 

Ein weiterer Grund für nächtliches Aufwachen: Schlaf braucht Geborgenheit.

 

Was kann ich tun:

 

Hier ebenfalls: Familienbett oder so nah als möglich

 

Abwechseln: Damit jeder zum Schlaf kommt, kann es in der ersten Zeit angenehmer sein, sich abzuwechseln. Gerade wenn man grantig ist, oder müde, spüren das unsere Babys. Immer dann, wenn ich besonders schnell wollte, dass mein Baby einschläft, ging es gar nicht. Daher, wenn möglich, abwechseln – Mama, Papa, ältere Geschwister, Oma. 

 

Geborgenheit vermitteln mit "Hilfsmitteln": Bei Babys ist eine Bezugsperson die wichtigste Quelle der Geborgenheit und daher ist die Nähe das Beste. Doch Stück für Stück kann man versuchen, dieses Gefühl der Geborgenheit auszudehnen. Etwa vom Kuscheleinschlafen zum Danebensitzen und lesen. Oder immer wieder aufstehen, und die Türe offen lassen um zu vermitteln: Ich bin in Deiner Nähe, ich stehe zur Verfügung. 

Von einer Freundin haben wir ein leuchtendes Tier geschenkt bekommen, das meine Tochter recht bald alleine aufdrehen konnte um im ersten Moment mal Licht zu haben. Rituale der Geborgenheit sind so verschieden wie wir selbst. Wichtig ist, herauszufinden, welche Rituale das Kind braucht um sich sicher zu fühlen.

 

Rhythmus: Um die Einschlafbrücke leichter zu schaffen, hilft es vielen, einen geregelten Rhythmus am Tag und auch beim schlafengehen zu haben. Dazu ist aber Folgendes zu sagen: 

Rhythmen von Babys verändern sich immer wieder und sollten der neuen Phase wieder angepasst werden.

Ein regelmäßiger Rhythmus ist nur so viel wert, wie er auch zu dem Wesen passt. Rosen blühen nun mal nicht im Winter und nicht jedes Kind kann um die selbe Zeit einschlafen, daher ist es gut darauf zu achten, wie die ersten Anzeichen aussehen, wenn das Kind müde wird.

 

Rituale: Manchen hilft es, immer wieder genau dasselbe zu tun, bevor Babys ins Bett gebracht werden. Einen ganz klaren Ablauf wie etwa: Nachtmahl, Bad, Pyjama anziehen usw. Mir persönlich wäre das zu starr, wichtig ist bei uns, dass wir etwa zur selben Zeit zu Hause sind. Zudem wurde unsere Tochter durch ein warmes Bad eher munter als müde am Abend. Bei anderen ist das ganz anders. Für uns war und ist es zum Beispiel wichtig, das Schlafgewand schon zu wechseln, solange das Kind noch munter und fröhlich ist.


Zeig mir den Weg ins Schlummerland


Schlaf braucht einen guten Grund: Müdigkeit. 

Die kann man nicht lernen. Keinerlei Schlafprogramme oder gar die Aufforderung ein Kind einfach schreien zu lassen, kann das ermöglichen. Müdigkeit ist ein Grundbedürfnis und Schlaf ist überlebenswichtig. Müde sind aber unsere Babys oft und schlafen dennoch nicht ein. Was ist da los? Hier geht es also um diesen besonderen magischen Moment. Dieses Hinübergleiten von wachsein zu Schlaf, das Loslassen des Geschehens. 

Für diese Übergangsphase brauchen Kinder tatsächlich manchmal unsere Hilfe.

 

Noch ein Grund für nächtliches Aufwachen: Hilf mir zurück in den Schlaf – es braucht Schlummerrituale

 

Was kann man tun: 

 

Als wichtigen Tipp empfand ich, sich ein Ritual zu überlegen, das auch nachts möglichst einfach durchzuführen ist und für den „Wegbegleiter ins Schlummerland“ auch angenehm ist. Wer also nicht unbedingt nachts ein Liedchen trillern möchte und dabei durch die Wohnung hüpfen, sollte das vielleicht auch tagsüber oder abends beim Einschlafen nicht nutzen. Wie immer braucht es hier einen Mittelweg, unsere Kinder haben ganz andere Vorstellungen von dem was toll ist als wir. Ganz nach dem Motto: Was brauchst Du und wie kann ich es so gut als möglich mit meinen Ressourcen ermöglichen, um selbst auch Kraft zu haben. 

 

Mögliche Körperübungen als Schlummerritual:

 

Dies sind Anregungen, achte stets darauf, ob es Deinem Kind behagt oder gefällt.

 

Die Stirn: Massiere sanft in kreisenden Bewegungen mit zwei Fingern die Stelle zwischen den Augenbrauen, ganz langsam und leicht, bis Dein Baby sich sichtlich beruhigt.

 

Die Füße: Auf warme Füße vom Baby achten! Massieren der Füße, vor allem der Fußsohlen, oder halten der Füße. Direkt zwischen Großzehenballen und dem Ballen der zweiten Zehe befindet sich auf der Fußsohle ein Akupressurpunkt, der sehr erdet und beruhigt: Niere 1

 

Der Rücken: Über den Rücken streichen, mit flacher Hand immer wieder sanft von Kopf bis Gesäß streichen, abschließend die Hand ruhig auf einen Körperteil liegen lassen (zum Beispiel Gesäß oder zischen den Schultern), spüre hinein in dein Kind, komme selbst zur Ruhe.

 

Die Hände: Die Hände halten, den Daumen in die kleine Hand legen und verweilen – hier ist ein Akupressurpunkt der sehr beruhigend wirkt: Perikard 8

 

Atmung: Atemrhythmus und Entspannung kann übernommen werden. Selber tief atmen und eine Entspannungsübung durchführen: Zum Beispiel den Atem in jeden einzelnen Körperteil schicken und beobachten, ob etwas verspannt ist. 


Körperübung für besseren Schlaf


Diese Körperübung kann Unterstützung bieten und bereitet auch Raum und Ruhe für innige Gemeinsamkeit. Etwas das oft, wenn man viel zu tun hat oder auch noch ältere Geschwister da sind, zu kurz kommt. Zu welcher Uhrzeit man das macht, bleibt wieder jedem selbst überlassen. Sinnvoll ist es, solche Übungen täglich einmal auszuführen. 

 

Erden und Beruhigen:

 

Dein Baby liegt am Rücken.

Achte auf Deine eigene innere Haltung: Bin ich bei der Sache? Bin ich ruhig? Atme tief, wärme Deine Hände, indem du sie aneinander reibst.

Nun gehe langsam von oben nach unten mit sanftem Druck und flacher Hand. Beginne bei den Schultern, wandere über den Bauch, halte die Oberschenkel, die Waden und dann nimm die Füße. Wiederhole das mehrmals. So stärkst Du die Erde. Der Gedanke ist: ICH BIN DA. Und sei auch wirklich in Gedanken voll und ganz DA.

Dann wandere die Arme auf der Innenseite hinaus – das Baby hat dabei die Arme ausgestreckt. Verweile dann in der offenen Hand auf beiden Seiten und lasse Deinen Finger in der kleinen Hand. 

Stell Dir dabei vor, wie all die Aufregung über die Arme bis in die Hände nach außen fließen kann. So beruhigst Du ein bisschen den Geist und damit das Feuer.

All dies soll spielerisch sein, leicht. Spaß machen. Behalte Dein Baby im Blick und plaudere oder singe mit ihm. 


Und was noch?


Dunkelheit: Schlaf braucht Dunkelheit nachts. Und dann tagsüber auch ganz wichtig viel Licht – auch immer wieder im Freien. Das unterstützt die Ausschüttung von Seratonin und Melatonin – und ermöglicht einen besseren Tag/Nacht Rhythmus zu finden. Ausgedehnte Spaziergänge können also dabei bestärken. 

Und Vorsicht bei zu viel Licht im Schlafraum. 

 

Kälte im Raum: Überall auf der Welt wird es kälter in der Nacht, das sind unsere Körper gewohnt. Also auch im Winter das Schlafzimmer nicht zu viel heizen – optimal etwa 18 Grad.

 

Wärme am Körper: wirkt entspannend, ein kühler Schlafraum und dazu ein warmes Gewand.

 

Zu viel Wärme am Körper verhindert ebenso Schlaf: verwirrend...aber auch das kann stören – achte darauf, ob das Baby vielleicht zu viel schwitzt

 

Weniger Reize gegen Abend 

 

Wie viel Ruhe gibt es im Alltag?


Diese ätherischen Öle nutze ich


Bei Babys unter 6 Monaten sollten ätherische Öle nur im Notfall angewandt werden. 

 

Danach kann man ab und an ätherische Öle nutzen, um sich und das Baby zu beruhigen. Weniger ist hier mehr! Nicht täglich sondern nach Bedarf. Bei Babys genügt 1 Tropfen eines ätherisches Öl, in einem Diffuser (elektronische Duftlampe). Die Laufdauer wäre eine halbe Stunde. Bleibe dabei um die Reaktion Deines Babys zu sehen.

 

Folgende ätherische Öle nutze ich zur Schlafförderung (auch meinen eigenen): Lavendel fein (Lavendula augustifolia) und Kamille römisch (Chamaemelum nobile), Mandarine rot (Citrus reticulata), Rose (Rosa damascena, Rosa centifolia)


Wie kann man Mamas Schlaf unterstützen


Durch das häufige Aufwachen kommt manchmal die Phase, dass Mütter selbst nicht mehr gut einschlafen können, auch wenn das Baby sanft entschlummert.

 

Warmes Fußbad vor dem Schlafengehen.

Gegen Abend nicht mehr zu viel Essen, und nicht mehr so viel Wasser trinken.

Langsames Gehen auf einem Ball um die Fußsohlen zu entspannen oder die Füße massieren lassen.

Thermophor zu den Füßen legen.

 

 

Zuletzt ein paar Worte: Du machst das großartig. Es ist anstrengend. Nichts ist so anstrengend, wie zu wenig Schlaf. Es gibt kein Rezept, wie man mit Kindern zu mehr Schlaf kommt. So viel sei gesagt: Sei gut zu Dir! Wann immer Du entspannen kannst, versuche es. UND: vergleiche nicht den Schlafrhythmus Deiner Kinder mit dem Schlafverhalten anderer Kinder! Jeder ist einzigartig! Findet einen gemeinsamen Weg, bei dem alle so gut als möglich Kraft behalten und sich entwickeln können.


Bücher, die ich zu diesem Thema gerne lese


Ein wunderbarer Begleiter zum Thema ätherische Öle, Kräuter und Hausapotheke:

Kleindienst-John, Ingrid (2016): SOS Hustenzwerg. Ätherische Öle und Kräuter für Kinder von 0 – 12. 3. Auflage, Linz: Freya Verlag GmbH

 

Sehr informativ um zu verstehen warum unsere Kinder sich verhalten wie sie sich verhalten. Warum es einfach gar nicht anders geht, weil wir eben sind was wir sind, Menschen und Menschenkinder – eine Entwicklungsgeschichte:

Renz-Polster, Herbert (2015): Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt. 8. Auflage, München: Kösel Verlag

 

Interessanter Klassiker, wie sind die Entwicklungsstufen von Babys und Kleinkindern, wann können sie was?

Large, Remo H. (2016): Baby Jahre, Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. 18 Auflage, München, Berlin: Piper Verlag GmbH


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